Ü50 Sommersalat – Rauke an Rapünzchen

Irgendwo im Netz war kürzlich ein
Salathilferuf zu lesen. Es wurden weitere sommerliche Grünfutter-Rezepte
gesucht. Nichts leichter als das. Grüne Salate gibt es bei mir das ganze Jahr
über, aber nie sind sie so leicht zuzubereiten und so wohlschmeckend, wie jetzt
im Sommer.

Man findet im Garten oder auf dem
Balkon schnell noch ein paar erntefrische Zutaten. Die Paprikaschoten und die
Tomaten schmecken endlich so gut, wie sie aussehen und am liebsten habe ich
noch ein paar Blüten (vorzugsweise Kapuzinerkresse) als Topping obenauf.

Meine Lieblingssalate fangen immer gleich an
und hören jedes Mal anders auf. Es kommt einfach darauf an, was der Markt
gerade hergibt oder in meinem Vorrat liegt.
Die Grundlagen bilden

Feldsalat – der hat regional sehr unterschiedliche Bezeichnung, meine
Großmutter nannte ihn RAPÜNZCHEN

und
Rucola – Rauke – eigentlich Garten-Senfrauke,
aber jeder weiss auch so, was gemeint ist.

Sehr gerne dazu genommen werden kleine Gaben von Radiccio, Brunnenkresse (das
habe ich in der Normandie gelernt) oder Baby-Spinat.

Und dazu
kommen immer Tomaten! Die besten wachsen unter italienischer Sonne in der
Toskana und haben eine leichte Eierfom (hierzulande als Roma Tomaten bekannt).
Ab und zu kann ich welche direkt importieren, weil eine Freundin in der Toscana
in Feldnähe residiert und wenn sie nach Berlin zurückkehrt, hat sie meist
welche im Gepäck, bzw. im Kofferraum. Als meine Blogleserin weiß sie genau, was
ich so brauche und so schoß sie flink ein Feldbild mit Tomaten so weit das Auge
reicht. Das nenne ich Service – mitgedacht und mitgebracht!
Auch getrocknete Tomaten kommen in
meinen Salat. Die Sorte ohne Öl. Es werden 2 oder 3 davon in kleine Würfelchen
geschnitten (vorzugsweise mit einer Küchenschere, erst in Streifen und dann in
Schnipsel), dann braucht man den Salat nicht mehr salzen. Ansonsten landet regelmäßig etwas
Zwiebel mit in der Schüssel. Auch Fenchel, wenn vorhanden. Und ein paar
Streifen von Paprikaschoten werden fein gewürfelt. 

Und dann
gibt es noch Zutaten die nicht zusammen sondern je nach dem verwendet werden:

1. Sardellenfilets – das habe ich in Paris gelernt, genauer gesagt im Hôtel de Crillon und ausser mir mag das in Deutschland wohl niemand, aber die Dinger sind gut
für die Stimme, habe ich mir von einer solchen sagen lassen und so habe ich
immer ein großes Glas Sardellenfilets im Kühlschrank, denn ich arbeite mit
meiner Stimme und muss etwas für sie tun.

2. Granatapfelkerne – Stichwort
Phytoöstrogene, viele tun die Theorien um die Wirksamkeit als
„Schmarren“ ab, weil wissenschaftlich nichts bewiesen werden konnte.
Ich fahre ja nicht auf dieser alternativen Schiene. Auch nicht in der Medizin,
bilde mir aber ein, dass die kleinen roten Perlen gut für mich sind. Ausserdem
sind sie extrem lecker und sie sehen einfach prima aus in meiner Salatschüssel.
3. Walnüsse (gehackt) – je frischer,
je lieber. Besonders bei den rucolalastigen Salaten geben die Nüsse mit ihren
Bitterstoffen den Raukeblätter eine noch herbere Note, die ich sehr mag.
Zerkleinert werden sie in einem kleinen Tupperware Teil mit Reissleine und
Namen TURBO CHEF. Dieser Chef sieht freundlich aus und ist vor allem spülmaschinentauglich.
4. Champignons – die gibt es ja immer frisch zu kaufen, die braunen habe ich lieber als die weissen, weil ich mir einbilde, dass sie nach etwas mehr schmecken, als nach dem Substrat, auf dem sie wachsen. Ausserdem hat man dann noch etwas Bissfestes zwischen den Kauleisten.
5. Garnelen – die habe ich sehr gerne reichlich zum Salat – das würde aber heute mit meiner besonderen Gewürzmischung zu weit führen und ausserdem müssen sie entweder frisch gekauft oder langwierig aufgetaut werden. 


Im Sommer gibt es sehr oft einen
großen Salat als Hauptmahlzeit am Abend. Da man aber von ein paar Blättchen
Entenfutter nicht wirklich satt wird, hole ich die Pfanne raus und peppe das ganze noch
etwas auf.

Ab jetzt sind die Veganer leider raus. Ich empfehle auch nicht, den nun folgenden mageren
Schinken mit was auch immer zu ersetzen, hier geht es nämlich genau um
den würzigen Geschmack geräucherten Schinkens, der beim folgenden Abraten entsteht.

Ich denke mir in der Pfanne einen großen Mercedesstern. Im ersten Pfannendrittel lasse ich das Fett aus den
kleinen Schinkenwürfeln. Dann schiebe ich die Würfelchen ein Feld weiter und in die
fettige Hinterlassenschaft kommen je nach Wochentag ein paar kleine
Knoblauchwürfelchen (So-Do) oder eine ordentliche Portion Knoblauchscheiben. Ich
denke so mindestens drei Zehen sind es Freitag oder Samstag – bei 2 Personen gerne mehr.

Wenn Schinken und Knoblauch
brutzeln, kommt in das letzte Drittel etwas gute Butter 🙂 und darin werden die
akkuraten Würfel einer Scheibe Toastbrot schön knusprig gebraten. In meinem
Haushalt gibt es niemals fertige Croutons – und nur selten weißes Toastbrot.
Vollkorntoast geht nämlich auch und man kann die Sache im Notfall auch mit
Graubrotwürfeln machen. Es schmeckt aber dann lange nicht so gut.

Während die Zutaten auf dem Herd
stehen, mache ich den Salat an. Fertige Saucen sind bei mir seit 1992 tabu,
auch Vinaigrette kommt mir nicht über diesen Salat. Meine Anmache ist typisch
italienisch: Essig und Öl. 

Ein italienisches Sprichwort sagt, ein guter Salat braucht 5 Leute: Salz, von
einem Klugen, Essig von einem Geizigen, Öl von einem Verschwender, einen Dummen
zum umrühren und einen Hungrigen zum essen. Von Montag bis Freitag stehe ich
abends alleine in der Küche – in Personalunion – nun habt Ihr gleich mal ein
paar meiner Charaktereigenschaften schriftlich!

Die Dressing
Zutaten sind sehr lange erprobt und wurden sorgsam ausgewählt. Mein Olivenöl
(extra vergine kaltgepresst, das vesteht sich ja von selbst) kommt aus der
Toskana, vom 2 Sterne Koch Fulvio
Pierangelini. Er ist für mich der
beste Koch der Welt, weil er mir in seiner Küche (als er das Gamebero Rosso in
San Vincenzo noch hatte) mal zeigte, wie ich einen großen Steinpilz zubereiten
muss. Für Leute, die ihn nicht kennen,
habe ich hinter seinen Namen 2 Links gelegt. Was musste ich da lesen? Kochkauz?
Zu mir war er nie kauzig. Ich war nämlich früher jedes Jahr im
Sommerurlaub bei ihm (auch immer mit in der Küche) und zwar im Schlepp eines
echten Kauzes!

Über mein Aceto Balsamico habe ich
HIER schon etwas geschrieben. Früher (in den 90ern, in meiner Moabiter WG) war Essig von FINI für uns das Ende der Fahnenstange.
So mild, so gehaltvoll, so eine
tolle Flasche, so ein frecher Preis. Es gab ihn im KaDeWe und einigen noblen
Feinkostläden. Die kantigen Fläschchen waren damals noch durchsichtig. Aber
irgendwann wurde eine von uns auf die Idee gebracht, nicht nur Weine zu
importieren, sondern auch die flüssigen Salatzutaten und mein Horizont
erweiterte sich. Da ich im letzten Jahr einmal aufgrund falscher Vorratshaltung
plötzlich essiglos dastand und verzweifelt zu FINI griff, war ich entsetzt über
diese dünne scharfe Plürre, die ich mal so geliebt hatte.Merke: es geht immer noch besser!

Meine erste Wahl für den Alltag ist die rechte Pulle – die war natürlich leer, als ich mit der Kamera in der Küche herumhampelte. Zum Glück war Nachschub da! Und wenn es feiner sein darf, dann
„opfere“ ich etwas aus der kleinen Pulle links.




Hausfrauentipp: Immer zuerst
den Essig auf den Salat geben. Nimmt man zuerst das Öl, dann ummantelt es alle
Zutaten und die Essigtröpfchen können nicht mehr richtig andocken und landen
unschön als Pfütze auf dem Schüsselgrund.

Für meine große Salatschüssel nehme ich je nach Füllstand 2 oder 3 Esslöffel Essig
und vom Öl immer einen mehr. Dann wird alles zügig aber sehr
gründlich durchgemischt, auf großen tiefen Tellern angerichtet und zum Schluss
kommen die pickligen Zutaten aus der Pfanne dazu.

Und mir läuft schon die ganze Zeit
so das Wasser im Munde zusammen… 

…dann jetzt endlich GUTEN APPETIT. 

Wenn Ihr den Salat aufgegessen habt
und noch nicht satt seid,
dann könnt Ihr fix zu Ines bloghoppen,
da gibt es
heute den zweiten grünen Gang.






Und die anderen Beiträge sind wie immer mit einem *KLICK*
auf die Bildchen
der Damen zu finden.
 Bitte beachtet, dass die Zutaten in Schüssel und Pfanne nur für eine Person (mich) waren.